(…)Voran auf falbem schnaubendem Roß
Die herrlichste aller Frau’n,
Im Mantel, der strahlend vom Nacken ihr floß,
Wie ein schimmernder Stern zu schau’n.
Die strahlende Herrin war Frau Hitt,
Die Reichste im ganzen Land,
Doch auch die Ärmste an Tugend und Sitt’,
Die rings im Lande man fand.
Da ziehet Frau Hitt ein hämisch Gesicht
Und neigt sich zur Seite hin
Und bricht einen Stein aus der Felsenschicht
Und reicht ihn der Bettlerin.
Da ergreift die Verachtete wütender Schmerz,
Sie schreit, daß die Felswand dröhnt:
»O würdest du selber zu hartem Erz,
Die den Jammer der Armen höhnt!«
Sie schreit’s, und der Tag verkehrt sich in Nacht,
Und heulende Stürme ziehn,
Und brüllender Donner rollt und kracht,
Und zischende Blitze glühn.
Den stutzenden Falben spornt Frau Hitt –
»Ei, Wilder, was bist du so faul?«
Sie treibt ihn durch Hieb’ und Stöße zum Ritt,
Doch fühllos steht der Gaul.
Und plötzlich fühlt sie sich selbst erschlafft
Und gebrochen den kecken Mut;
In jeglicher Sehne stirbt die Kraft,
In den Adern stockt das Blut.
Herunter will sie sich schwingen vom Roß,
Doch versagen ihr Fuß und Hand!
Entsetzt will sie rufen den Rittertroß,
Doch die Zunge ist festgebannt!
Ihr Antlitz wird so finster und bleich,
Ihr herrliches Aug’ erstarrt,
Ihr Leib, so glatt und zart und weich,
Wird grau und rauh und hart.
Und unter ihr strecken sich Felsen hervor
Und heben vom Boden sie auf
Und wachsen und steigen riesig empor,
In die schaurige Nacht hinauf.
Und droben sitzt, ein Bild von Stein,
Frau Hitt im Donnergeroll
Und schaut, umzückt von der Blitze Schein,
Ins Land so grausenvoll.